Nachhaltigkeit von Schweizer Landwirtschaftsbetrieben umfassend beurteilen

Agroscope entwickelte ein System, um die Nachhaltigkeit von Schweizer Landwirtschaftsbetrieben zu beurteilen. Es umfasst eine breite Palette von Wirkungsindikatoren, zum Beispiel Ressourceneffizienz, Liquidität und Tierwohl. Die Indikatoren werden Landwirtinnen und Landwirten eine praxistaugliche Bewertung ihres Betriebs in den drei Dimensionen Umwelt, Ökonomie und Gesellschaft erlauben.

Eine Voraussetzung für einen soliden zukunftsfähigen Agrarsektor sind nachhaltig erzeugte landwirtschaftliche Produkte. Ein Ziel ist dabei, die Landwirtschaft so auszurichten, dass diese ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Anforderungen zu genügen vermag. Um diese Entwicklung zu fördern, sind Landwirtinnen und Landwirte sowie Verbände auf ein Instrument angewiesen, das die Nachhaltigkeit eines Landwirtschaftsbetriebes fundiert und zuverlässig bewerten kann. Agroscope hat mit Unterstützung der Migros eine Bewertungsmethode erarbeitet: Nun steht ein Satz von Wirkungsindikatoren für die Beurteilung der Nachhaltigkeit auf der Ebene des landwirtschaftlichen Betriebs zur Verfügung.

Drei Dimensionen der Nachhaltigkeit berücksichtigt

Bei der Ausarbeitung der Indikatoren wurde besonders darauf geachtet, die drei Bereiche Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft gleichermassen zu berücksichtigen. Die ökologische Dimension der Nachhaltigkeit umfasst die Komponenten Ressourceneffizienz, Klima, Nährstoffe, Ökotoxizität sowie Biodiversität und Bodenqualität. Ein umfangreicher Methodenvergleich beleuchtet die Vor- und Nachteile verschiedener gängiger Bewertungsmethoden, welche die Auswirkungen landwirtschaftlicher Tätigkeiten auf die Biodiversität und Bodenqualität abschätzen.

Die ökonomische Nachhaltigkeit eines Betriebes lässt sich durch je zwei gebräuchliche Kennzahlen in den Bereichen Rentabilität, Liquidität und Stabilität gut charakterisieren. Diese Kennzahlen werden so gewählt, dass sie einerseits die kurz- und langfristige ökonomische Situation eines Betriebes erfassen, andrerseits aber auch kapital- und arbeitsintensive Betriebe genügend genau beschreiben. Zudem wurde darauf geachtet, dass sich alle Kennzahlen auf der Basis gebräuchlicher Buchhaltungsdaten berechnen lassen.

Innovative Bewertung der sozialen Nachhaltigkeit

Spezielle Aufmerksamkeit wird den noch weniger gut erforschten sozialen Aspekten der Nachhaltigkeitsbewertung geschenkt. Diese setzt sich in der vorliegenden Studie aus den drei folgenden Komponenten zusammen: menschliches Wohlbefinden, Qualität des Landschaftsbildes und Tierwohl. Dabei wird vorgeschlagen, das Wohlbefinden des Betriebsleiters bzw. der Betriebsleiterin sowie des sozialen Umfeldes durch eine modifizierte Version des von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ausgearbeiteten Rahmenwerks für soziale Nachhaltigkeit zu beschreiben.

Das Tierwohl lässt sich nicht mit einem einfachen Indikator beschreiben, da eine ganzheitliche Bewertung viele unterschiedliche Aspekte wie etwa die Bewegungsfreiheit und Freiheit von Schmerz abdecken muss. Am Beispiel von Milchkühen und Mastschweinen wird folgender Ansatz vorgeschlagen: Massnahmen, die über das gesetzliche Minimum der Schweizer Tierschutzgesetzgebung hinausgehen, werden mit Punkten belohnt. Die Praxistauglichkeit dieses Punktesystems soll in Folgeprojekten evaluiert werden.

Die Bewertung der Ästhetik des Landschaftsbildes lässt sich als Komponente der sozialen Nachhaltigkeit in das Gesamtsystem einbinden. Dabei berücksichtigt die ausgearbeitete Methode die Vielfalt, die Naturnähe sowie die jahreszeitliche Veränderung verschiedener Landschaftselemente. Das Verfahren basiert auf den Daten des Informationssystems des Bundes für Betriebs-, Struktur- und Beitragsdaten (AGIS) und auf Präferenzwerten, in der mittels einer für die schweizerische Bevölkerung repräsentativen Umfrage die „Schönheit“ verschiedener Kulturen und Biodiversitätsförderflächen bewertet wurde.

Prüfung der Praxistauglichkeit

Zusätzlich zum wissenschaftlich fundierten Konzept zur Erhebung der Indikatoren steht die Praxistauglichkeit der Methode im Vordergrund. Damit soll die Erhebung der Nachhaltigkeit auf einer grossen Anzahl Betriebe mit vertretbarem Aufwand und damit einer minimalen Zusatzbelastung der Betriebsleiter und -leiterinnen garantiert werden. Agroscope hat deshalb kürzlich zusammen mit Migros und IP-SUISSE ein neues vierjähriges Projekt initiiert, das die Praxistauglichkeit der verschiedenen Indikatoren auf ausgewählten Betrieben detailliert erforschen wird.   


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Adresse für Rückfragen:

Andreas Roesch, Forschungsgruppe Ökobilanzen
Agroscope, Institut für Nachhaltigkeitswissenschaften INH
Reckenholzstrasse 191, 8046 Zürich, Schweiz
andreas.roesch@agroscope.admin.ch
+41 (0)58 468 75 79

Gérard Gaillard, Leiter Forschungsgruppe Ökobilanzen
Agroscope, Institut für Nachhaltigkeitswissenschaften INH
Reckenholzstrasse 191, 8046 Zürich, Schweiz
gerard.gaillard@agroscope.admin.ch
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Ania Biasio, Mediendienst
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Reckenholzstrasse 191, 8046 Zürich, Schweiz
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